Antworten auf mir zugegangene Briefe

Liebe User und Briefkontakte,

leider ist es mir derzeit überhaupt nicht möglich, auf einzelne Briefe, Antworten auf dem Postwege zu versenden, da ich derzeit mitten in der Verteidigungsarbeit “stecke” – immerhin beginnt meine bzw. unsere Hauptverhandlung schon nächste Woche. Aus diesem Grund bitte ich alle um Nachsehen. Sobald ich wieder mehr Zeit zur Ver­fügung habe, werde ich wieder in altgewohnter Form antworten. Ausserdem bitte ich Sie auch um Verständnis, dass ich derzeit in nicht allzu guter Verfassung bin, denn ich bin mit meinen Gedanken immer bei meiner Ehefrau, die man an diesem Wochenende in die JVA Nürnberg “verschubt”. Sie war bis zum Donnerstag in der JVA Aichach. Sie hat sehr lange gebraucht um sich an das “Knastleben” zu gewöhnen und jetzt, wo sie einigermaßen über den Berg ist, wird sie hier nach Nürnberg “verlegt”. Die Strapazen einer Verschubung habe ich Ihnen ja bereits schon in einem anderen Brief geschildert. Meine Frau wurde von Aichach nach München verfrachtet, wo sie dann unter extremsten Bedingungen das Wochenende verbleiben muss, um dann endlich am kommenden Montag (17.09.2012) nach Nürnberg weitertrans­portiert zu werden. Hier erwartet sie ein vollkommen überfülltes Frauengefängnis, was sicher dazu führen wird, dass sie in eine Mehrfach-Zelle “gesteckt” wird. Ich mache mir deshalb sehr große Sorgen um ihre Psyche. Das Alles wird sie sicher wieder Monate zurück­werfen. Für die nächste Woche habe ich eine Besuchszusammenführung beantragt und hoffe, dass dem statt gegeben wird. Meine Ehefrau hat ab sofort folgende Anschrift:

Silvia Kirsten JVA Nürnberg Mannertstrasse 36 90429 Nürnberg

Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie meiner Frau ein paar auf­munternde Worte zukommen lassen könnten. Dafür bedanke ich mich von ganzem Herzen im Voraus.

Ansonsten bin ich sehr guter Dinge, was den kommenden Prozess angeht. Ich habe eine 358-seitige Verteidigungsschrift verfasst, die spätestens ab Anfang Oktober hier auf dieser Website für jedermann zugänglich sein wird. In dieser Schrift bin ich auf alle Vorwürfe seitens der Justiz eingegangen und habe auch für jeden einzelnen dieser Vorwürfe Beweise ins Feld geführt, die den ganzen Prozess ad absurdum führen lassen. Selbstverständlich verhehle ich in diesem Bericht nicht die Fehler, die u.a. auch von der GFE-Group bzw. meiner Person ausgingen. Diese stellen jedoch keinen strafrechtlichen Tatbestand dar. Aber was erzähle ich hier? Lesen Sie bitte diese Schrift und urteilen Sie selbst. Dieser Bericht wird als PDF-Datei zur Verfügung stehen und Sie können ihn sich gerne ausdrucken oder per Email an andere versenden. Unterm Strich freue ich mich auf den Prozessbeginn, denn dann kann ich endlich meine Aussage tätigen, die ich in fast 22 Monaten nicht tätigen konnte, weil die Staatsanwaltschaft daran kein Interesse hatte. Immerhin habe ich ihr in dieser Zeit zweimal schriftlich angeboten, mit ihr ein Gespräch führen zu wollen. Man hat sich von dieser Seite nicht einmal der Mühe unterzogen, mir darauf zu antworten.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich es jetzt nicht versäumen, wenigstens mit ein paar Worten auf die Briefe der letzten Woche einzugehen. Von F.W.B. aus Werdohl habe ich mit Schreiben vom 30.07.2012 sehr viele liebe Worte und ein Buch erhalten, was mich sehr positiv stimmte. Auch über die reichhaltige Mitsendung von Briefmarken habe ich mich sehr gefreut.  F. vielen Dank für diese lieben Geburtstagsgrüße. Das zeigt mir umso mehr, dass ich da “draussen” Mitstreiter habe, auf die man sich auch in “schlechten Zeiten” verlassen kann. F., Du hast vollkommen Recht: Ich hätte meinen 60. Geburtstag auch gerne an anderer Stelle gefeiert aber aufgeschoben ist wirklich nicht aufgehoben. Du beschreibst in beeindruckender Weise, weshalb man sich keinen Fernseher in der Zelle leisten sollte. F., in den meisten Punkten gebe ich Dir Recht. Aber bitte sieh das mal aus der Lage und Situation eines Häftlings. Selbst wenn in der “Glotze” nichts Besonderes läuft, so ist es immerhin ein Mittel, mit dem man seine Gedanken ablenken kann, von dem, was hier passiert oder eben nicht passiert. Bei mir ist der Fernseher in der Hauptsache auch nur dann eingeschaltet, wenn es interessante Sportereignisse gibt oder aber um des “Einschlafens” Willen. Ausserdem wird man hier nicht allzu üppig, wenn überhaupt, mit Printmedien ausgestattet, so dass ich nur über Rundfunk und TV das aktuelle Weltgeschehen verfolgen kann. Und es sind derzeit doch ziem­lich viele Themenbereiche, die mich interessieren. Da geht es um ESM, um die Energiewende und so Vieles mehr.

In einem anderen Punkt kann ich nur das bestätigen, was Du so in meinen Gefängnisaufenthalt hineininterpretierst. Sicher ist und war dies ein Ort, an dem ich mir über mich selbst im Klaren wurde. Ich habe von mir selbst sehr viel mehr gelernt, als dies in den letzten 20 Jahren der Fall war weil ich leider hierfür keine Zeit hatte. Ich bin selbst erstaunt, mit wie vielen verschiedenen Menschentypen ich derzeit kommuniziere. Für meine Weiterentwicklung, wenn ich das mit 60 Jahren noch sagen darf, ist das eine wahnsinnige Bereicherung, was ich vorher völlig anders sah. Unter diesem Gesichtspunkt müsste ich den “Urlaub” hier an dieser Stätte als Positiv bewerten. Aber um ganz ehrlich zu sein: Ich hätte gerne darauf verzichtet. Nicht auf die Erfahrungen, die ich hier mit Menschen verschiedener Couleur machen durfte, sondern auf die Bedingungen, unter denen ich das alles erfahren musste. Für Deine Worte auf der letzten Seite Deines Briefe bedanke ich mich hiermit nochmals extra, denn damit hast Du mich so richtig wachge­rüttelt. Von Natur aus bin ich ein positiv denkender Mensch und das Elend hier wird mich an meiner Denkweise nicht hindern. Es würde mich freuen, wenn ich wieder von Dir Post erhalte, wobei Du allerdings dann damit rechnen musst, dass ich nicht kurzfristig antworten kann, da ich nicht weiß, wie lange sich der Prozess hinziehen wird und inwiefern er mich dazwischen vereinnahmt.

Herr Dipl.-Ing. A.K. aus Eystrup hat mir ebenfalls mit Datum vom 24.08.2012 einen Brief gesendet. Herr K., Sie haben vollkommen Recht, wenn Sie die Tatsache, dass man mich in den 21 Monaten Haftzeit weder zu einem Verhör noch zu einem Gespräch eingeladen hat, ein Verstoss gegen den Inhalt des Grundgesetzes Art. 103 verstößt. Darin heißt es aber auch, dass vor Gericht jedermann das Recht auf Gehör hat. Und von diesem Recht werde ich vor Gericht auch Gebrauch machen. Sie sollten auch wissen, dass ich mich niemals einem Verhör gestellt hätte, da dies meist auf einer suggestiven Art und Weise beruht. Ich habe der Staatsanwaltschaft im Umkehrschluss zweimal ein Gespräch angeboten, was allerdings niemals angenommen wurde. Das Bundesverfassungsgericht wegen dieses Verstosses anzurufen, mündet in der gleichen Art und Weise, wie ich es bereits wegen der Besuchszusammenführung mit meiner Ehefrau getan habe. Hier muss ich alle Dokumente in Schriftform beilegen. Diese Dokumente sind so zahlreich, dass es mir unmöglich er­scheint, Kopien in solch großer Anzahl hier in der JVA anzufertigen. Im Übrigen kann ich mir das schon aus finanziellen Gründen nicht leisten, da mir der größte Teil meines hiesigen Einkommens gepfändet wird. Auch “draussen” verfüge ich über keine Finanzmittel, da auch diese allesamt gepfändet oder blockiert wurden. Diesbezüglich habe ich das Bundesverfassungsgericht schon angeschrieben und habe diese über die Missstände informiert. Zurück kam lediglich ein Formschreiben, dass man auf die Einhaltung dessen bestehen müsste. Gleiches widerfuhr mir beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Dieses Gericht weist schon im Antwortschreiben darauf hin, dass eine Aussicht auf Erfolg statistisch gesehen sehr minimal, wenn überhaupt vorhanden, ist. Herr K., unterm Strich bin ich dennoch nicht enttäuscht, denn nun be­ginnt der Prozess und ich kann mir alles von der Seele reden, was in diesem Falle wichtig ist. Da man mich seitens der Justiz niemals ange­hört hat, muss sie sich es nunmehr jetzt gefallen lassen, dass ich mich zu vielen Punkten bis ins kleinste Detail äußere (siehe hierzu meine Anfang Oktober erscheinende Verteidigungsschrift). Das wird logischerweise dazu führen, dass auch die Justiz sich irgendwann zu rechtfertigen hat, für all das, was sie getan oder besser gesagt, nicht getan hat. Für Ihre abschließenden Worte auch nochmals herzlichen Dank. Die Liebe, das Gute, das Schöne und Gottes Segen gebe ich gerne an Sie und an alle anderen Leser dieser Info weiter.

Wie sollte es anders sein: Meine treuen Freunde H.+M.B. aus Rösrath lassen sich es nicht nehmen, mir in regelmäßigen Abständen, Freude mit ihren Briefen zukommen zu lassen. M.+H., dafür danke ich Euch. Mehr­mals habe ich betont, sehr glücklich zu sein, solche Menschen wie Euch in meinem Leben kennenlernen zu dürfen. Und wie sich die ganze Kommunikation hier im “Knast” entwickelt, habe ich mittlerweile sehr viele Menschen, bzw. Freunde, kennenlernen dürfen. Ich wage sogar zu bezweifeln, ob mir das “draussen” auch so widerfahren wäre. Ich glaube eher nicht. Ihr könnt versichert sein, dass meine Ausführungen vor Gericht hieb- und stichfest sind. Es war schwer genung hier in der JVA an alle Informationen heranzukommen, die für den Prozess von immenser Wichtigkeit sind. Insofern hat man mir dafür 21 Monate Zeit gelassen, die ich nunmal nicht untätig “abgesessen” habe. M., ich hoffe, Deine erneute OP ist nichts ernsthaftes, denn denke bitte daran, dass wir alle noch das ein oder andere “Kölsch” trinken wollen. Und da verlasse ich mich auf Deine Fitness. Mittlerweile habe ich schon dreimal mit Silvia für jeweils 15 Minuten telefonieren dürfen. Es sind immer wieder bewegende Momente, von denen Silvia und ich wochenlang zehren können. Erst hier im “Knast” lernt man die Bedeutung von LIEBE wirklich kennen und schätzen. Auch wenn es absurd klingt: Ich war meiner Frau niemals so nah, wie in dieser schweren Zeit. Jeder da “draussen” würde seine Partnerschaft viel besser zu schätzen wissen, wenn er nur für kurze Zeit diese “Schule” mitgemacht hätte. Wir dürfen uns als überaus glückliche Menschen sehen, wenn man geliebt wird und Liebe senden kann. Vielen Häftlingen hier ist dies nicht vergönnt. H., mach Dir bitte keine Sorgen, in welch eine Welt Dein Enkel hinein­geboren wurde. So hat man schon vor vielen Generationen gedacht. Nicht zuletzt liegt es an uns, welche Welt wir unseren Kindern und Kindes­kindern hinterlassen. Und noch haben wir beide Zeit, das ein oder andere Gedankengut an unsere Kinder weiterzugeben. Das sind wir ihnen aber auch schuldig. Was wir nicht zum Positiven verändern können, weil es womöglich nicht in unserem Zeitalter “modern” ist, wird dann von unseren Nachkommen zum richtigen Zeitpunkt verbessert. Darauf müssen wir unsere Kinder vorbereiten. Da gibt es wirklich Baustellen genug, auf denen wir beide noch “arbeiten” können. Dein Enkel wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein ebenso glückliches Leben führen wie Du. Und denke immer daran: Du bist für den Bau des Fundamentes zuständig.

H., ob sich innerhalb des Prozesses die Stadt Nürnberg wirklich als Stadt der Menschenrechte erweist, das wage ich zu bezweifeln. Denn selbst, wenn wir einen Freispruch erwirken und selbst wenn der Freistaat Bayern Wiedergutmachung leistet, so entbindet das die Stadt bzw. deren Behörden nicht von den Verpflichtungen, denen man Folge zu leisten hat, um Menschenwürde und Menschenrechte zu achten. Denn unterm Strich geht es hier ja nicht nur um unseren Fall. Hier werden täglich viele Urteile im Namen des Volkes ausgesprochen, was bedeutet, dass sehr viele Menschen sich in Nürnberg in Haft befinden und man hier und da keineswegs auf deren Würde und Rechte Rücksicht nimmt. Es ist noch ein verdammt weiter Weg, bis sich Nürnberg wirklich Stadt der Menschen­rechte schimpfen kann. Für uns jedoch ist das Finale angekündigt und wir werden uns zur Wehr setzen. Wir werden uns auf legale Art und Weise wieder unsere uns ent­zogene Menschenwürde zurückholen und werden auf unsere laut Grund­gesetz zustehenden Menschenrechte pochen. Der Albtraum hier muss doch endlich für viele ein Ende haben. Da spreche ich auch von den vielen da “draussen” Betroffenen, deren Existenz von der Justiz vernichtet wurde. All diese Personen haben ein Recht auf ein menschwürdiges Leben und sind nicht dafür geboren worden, nur noch dahin zu vegetieren. Wie bereits in vielen Briefen erwähnt: Ich freue mich auf unser Wieder­sehen, spätestens vor Gericht.

Herr H.J.A. aus Celle – Dir danke ich für die Zusendung vieler Infos mit Ihrem Schreiben vom 24.08.2012. Du entschuldigst sicher, dass ich zu all Deine technischen Hinweise hier jetzt keine Stellung beziehen kann, denn das würde den Rahmen sprengen. Dennoch bin ich Dir sehr dankbar, dass Du mich mit so wichtigen Infos “fütterst”. Sicher wirst Du Anfang Oktober auch meine Verteidigungsschrift lesen. Darin be­schreibe ich einige von Dir angesprochenen Fakten, die die Justiz ein­fach nicht ignorieren kann, weil sie naturwissenschaftlich schon seit Jahrzehnten, teilweise schon seit Jahrhunderten bekannt sind. So muss ich mich nun nach 226 Jahren vor Gericht verantworten, für Tatsachen, die seit so langer Zeit schon bekannt sind. Es ist einfach nur absurd, was hier geschieht. Klar hätten auch Staatsanwälte und Richter lieber den Strom, die Wärme und auch den Treibstoff fürs Automobil, aus einer Energiegewinnung, die auf Wasserbasis beruht. Aber diese Behörden haben auch auf die Belange der Wirtschaft und der Politik zu achten. Inwiefern jedoch daraus ein Straftatbestand abgeleitet werden soll, darauf bin ich mehr als nur “gespannt”. Übrigens Herr Prof. Dr. Dr. Dr. Huber kenne ich persönlich auch. Er hat mich in der GFE besucht. Eine Persönlichkeit in Sachen “Raumenergie” – vielleicht habe ich irgendwann einmal die Gelegenheit, ihm in seinem “Kampf” unter die Arme greifen zu können. Es wäre für mich eine Ehre, denn ich kenne ihn als sehr kompetente Person in seinem Bereich.

Es wäre schön, auch bald wieder von Dir zu hören, auch wenn ich durch den Prozess wohl nur verspätet antworten kann. Im Übrigen wäre ich auch sehr über Dein Statement bzgl. meiner Verteidigungsschrift inter­essiert – was im allgemeinen für alle User gilt.

In der Erwartung, bald wieder “festen Boden” unter den Füssen zu haben grüße ich alle Menschen, die da “draussen” den Funken Glauben an die Gerechtigkeit noch nicht verloren haben.

Mit vielen lieben Grüßen/aus der JVA Nürnberg Ihr/Euer

Horst Kirsten