Offener Brief an meinen Sohn

Hallo T.,

schon lange hatten wir keinen Briefverkehr, was mich doch sehr ver­wundert, weil Du anlässlich Deines Besuches geschildert hast, dass Du wieder einige Emails und ein Buch zu mir geschickt hast. Bis zum heutigen Tag kam bei mir überhaupt nichts an. Ich vermute fast, dass man seitens der Gerichtsbarkeit diese Art von Kommunikation unter­binden will. Gib mir bitte mal Bescheid, ob erstens diese von Dir angesprochene Sendung wieder an Dich zurückkam und zweitens, ob die Website überhaupt noch im Netz ist, denn einige meiner Briefkontakte wurden schon entweder ihre Websites abgeschalten oder es verschwanden bei dem ein oder anderen Dateien, in denen sie die Kommunikation mit mir abspeicherten. Ich finde das alles ein wenig seltsam und versuche da ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen, deshalb sei so lieb und antworte schnellstmöglich. Insofern macht es für mich derezit auch keinen Sinn, die Antworten auf mir zugegangene Briefe hier über das Internet vorzunehmen. Ich habe zwischenzeitlich vorerst mal wieder die postalische Antwortmöglichkeit genutzt.

Sollte jedoch meine Website noch Bestand haben, dann setze da bitte mal eine Anfrage rein, ob es anderen bzgl. Abschaltungen von Websites oder Löschung von Dateien ebenfalls so ergangen ist, wie den Personen, die es mir schon über den Postweg mitgeteilt haben.

Derzeit bin ich voll mit meiner Verteidigungsarbeit beschäftigt, was bedeutet, dass ich jede freie mir zur Verfügung stehende Minute darein investiere. Es ist eine wahnsinnig aufwändige Arbeit, denn die Anklage­schrift ist einer Art verfasst, dass ein Aussenstehender von einer Schuld ausgehen muss. Das ist sicher von der Staatsanwaltschaft so gewollt. Ich arbeite in jeder freien Minute daran, denn allzu viel Zeit ist nicht mehr bis zur Hauptverhandlung und da muss und werde ich bestens vorbereitet sein. Jetzt habe ich mir ausnahmsweise mal einen Tag Auszeit gegönnt, sitze aber dennoch von morgens bis abends an der Schreibmaschine, denn ich möchte wenigstens einen Teil meiner Briefschulden abarbeiten. Die Arbeit an diesem Fall hat mich so ver­einnahmt, dass ich fast keine anderen Gedanken im Kopf habe. So muss ich jetzt in allen Details das Geschehene aufarbeiten und die Falsch­darstellungen in der Anklageschrift wieder dahin bringen, wo sie hin­gehören – nämlich zur wahrheitsgemäßen Darstellung und das ist nicht so einfach, weil sich die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift erlaubt, eine Vorverurteilung aller Beschuldigten vorzunehmen, was ihr in keiner Weise zusteht. Ich bin überzeugt davon, dass die Staats­anwaltschaft die Wahrheit kennt, jedoch ist sie, wie in der Vergangen­heit schon mehrfach unter Beweis gestellt, nicht willens, ihre Fehl­leistungen zu offenbaren. Seit 10 Wochen warte ich auf die restlichen Akten, die mir in Form einer Datei auf einem PC seitens des Gerichtes zugesichert wurden. Dieser PC soll dazu dienen, dass ich endlich Einblick in die unzähligen Akten haben kann. Es ist weder ein Textverarbeit­ungsprogramm vorhanden, noch ein Abspeichern oder gar Ausdrucken möglich. Dieser PC dient also nur als Sichtgerät, was die Arbeit an der Ver­teidigung sicher auch nicht einfacher macht. Man könnte hier schon von absichtlicher Verhinderung einer ordentlichen Verteidigung sprechen, nicht zuletzt auch deshalb, weil man den Beschuldigten, gerade in einem solch großen Fall, nicht die technischen Möglichkeiten zur Ver­fügung stellt, die dieser dazu benötigen würde. Tausende von Seiten in den unzähligen Ermittlungsakten sollen hier seitens der Beschuld­igten nur mit Papier und Bleistift, im höchsten Falle mit einer Schreib­maschine bearbeitet werden. Man nimmt auch in keiner Weise darauf Rücksicht, dass selbst bei dem ein oder anderen Beschuldigten, es aufgrund von Pfändungen bis auf einen Minimalbetrag, gar nicht möglich ist, sich die entsprechenden einfachen Materialen zu besorgen. Und Lieferungen von “draussen” werden abgelehnt, wie es in meinem Fall in Sachen “Farbbändern” für die Schreibmaschine geschehen ist.

Ich warte, wie gesagt, mittlerweile schon 10 Wochen auf die Akten, so dass man mir bewusst oder unbewusst diese Zeit meiner Verteidigungsarbeit genommen hat. Ich schlafe selbst nicht mehr richtig. Immer wache ich nachts auf und mache mir Notizen. Dass ich jetzt, in dieser Zeit, kein ver­nünftiger Gesprächspartner für die anderen Mitgefangenen bin, versteht sich von selbst.

Dieser Tage wurde ich über die Petition des Ehepaares E. beim Bayer­ischen Landtag informiert, der sich mindestens 300 Personen ange­schlossen haben. Zwischenzeitlich hat man mir auch schon das Ergebnis mitgeteilt, was mich sehr erfreute. Endlich wacht da in Deutschland mal jemand auf und stellt das alles in Frage. Auch wenn die Staats­anwaltschaft hier jetzt Post vom Bayerischen Landtag erhält, in der man ihr mitteilt, dass erhebliche Zweifel an ihrer Vorgehensweise be­stehen – so bin ich mir aus Erfahrungswerten der Vergangenheit sicher, dass auch dies mit einer fadenscheinigen Erklärung vom Tisch gefegt wird. Ich will damit nicht sagen, dass ich diese Aktion als sinnlos ansehe – sie wird nämlich ganz sicher ihre Wirkung hinterlassen und dafür bin ich sehr dankbar. An eine Einstellung des Verfahrens ist meiner Meinung nach allerdings nicht zu glauben, denn dazu ist schon viel zu viel in die Wege geleitet worden. Die einzige Möglichkeit die ich sehe, die evtl. auf eine Einstellung des Verfahrens hinauslaufen könnte, ist begründet in der Tatsache, dass sich der zuständige Richter wirklich vorher mit der Aktenlage beschäftigt und diese in der Form analysiert, inwiefern auch entlastende Beweise Berücksichtigung gefunden haben, inwiefern überhaupt Beweise für den Tatbestand des Betruges vorliegen, inwiefern es überhaupt Zeugen gibt, die beweiskräftige Aussagen machen könnten, inwiefern es überhaupt Geschädigte vor dem voreiligen Eingreifen der Staatsanwaltschaft gibt u.v.m. – er müsste dann relativ schnell feststellen, dass der Tatbestand des Betruges in keiner Form gegeben ist und war. Es gibt allerdings tausende von Beweise, die das Gegenteil bestätigen und von einem ganz normalen, schnell wachsenden Geschäftsbetrieb Bericht erstatten, bei dem sicher auch Fehler, Fehlbesetzungen und Fehlentscheidungen eine Rolle spielten, jedoch niemals eine strafbare Handlung darstellten. Ich bin auch überzeugt, dass mit zunehmender Dauer des Prozesses die Beweislage für die Unschuld der Beklagten immer größer wird und sich irgendwann die Anklage nicht mehr aufrecht erhalten lässt. Diesen Vorteil hat man nun mal, wenn man keine Straftat begangen hat und sich nicht, wie es die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift voll­zog, irgendeine Geschichte ausdenken muss.  Aber lassen wir das für heute – es ist nicht mehr so lange hin bis zum Prozessbeginn, auf den ich mich im Übrigen freue, um dann endlich die Wahrheit in die Welt schreien zu dürfen.

Wenn nun dieser Brief veröffentlicht wird, dann gibt es noch eine Sache, die für mich ein sehr großes Bedürfnis darstellt, es unbedingt in die Öffentlichkeit zu bringen. Es handelt sich mal wieder um einen Artikel hier in der ortsansässigen Presse. Diesmal ging der Inhalt jedoch derart unter die Gürtellinie, dass man es nicht mehr bestreiten kann, dass hier eine Volksverhetzung stattfindet. So kurz vor dem Prozess muss wohl die negative Berichterstattung dafür Sorge tragen, dass die Meinung der Öffentlichkeit, insbesondere sicher auch der Kunden der GFE-Group, negativ beeinflusst werden soll. So etwas nennt sich in Deutschland “Pressefreiheit”. Ich empfehle jedem Leser dieses Briefes sich nie wieder der folgenden Zeitung zu bedienen, da sie wohl darauf ausgerichtet ist, Lügen zu verbreiten und nicht zu recherchieren. Ich werde den von mir zitierten Artikel hier in Fettbuchstaben darstellen und jeweils unter jedem Satz meine hier ehrlich abgegebene Aussage dokumentieren:

Es handelt sich wieder einmal um die AZ - Abendzeitung Nürnberg

8-Uhr-Blatt

… wieder einmal, weil ich bzgl. einer anderen Berichterstattung bereits dieses Blatt anschrieb, eine Gegendarstellung verfasste und den zuständigen Redakteur aufforderte, diese zu veröffentlichen, was niemals geschah.

Der nun folgende Artikel erschien am 11.07.2012 unter dem Titel: “Die Jagd nach den Millionen”, verfasst von einem Journalisten namens Helmut Reister. Dieser Titel lässt die Öffentlichkeit glauben, die Justiz würde nach wie vor nach den “versteckten” Millionen suchen. Der Untertitel dieses Artikels sollte dann gleich eine Antwort darauf liefern: “Rolex, Maserati, Luxusurlaub: GFE-Manager lebten in Saus und Braus”. Schon im Untertitel wird dem Leser vorgegauckelt, man hätte die vereinnahmten Gelder nur dazu benutzt, in Saus und Braus zu leben. Der Text beginnt dann mit Zahlen, die selbst in der Anklage­schrift nicht in dieser Form dargestellt werden. Ich empfinde das eine bodenlose Frechheit, wenn hier wie folgt dargestellt wird:

“Rund 50 Millionen Euro haben sich wie in Luft aufgelöst. Es ist das Geld von 1417 gutgläubigen Anlegern, die den honigsüßen Versprechungen der Nürnberger Firma GFE auf den Leim gingen.”

Ich möchte hier jeden einzelnen Satz kommentieren und gleich eine Antwort dazu liefern. In diesem Falle ist es eine klare Falschmeldung, da hier behauptet wird, dass sich 50 Millionen Euro in Luft aufge­löst hätten. Außerdem ist das sichergestellte Geld nicht das Geld der Anleger, wobei es sich hier um Käufer einer Handelsware handelt, sondern Geld, dass der Firma nach Erfüllung ihrer den Kunden gegenüber vertraglich vereinbarten Pflichten nachgekommen ist. Weiterhin waren es keine gutgläubigen sondern sehr wohl kritische Kunden, die sich häufig selbst vor Ort in Nürnberg, von dem Geschäfts- und Herstellungs­betrieb überzeugt hatten. Wir haben, wie hier suggeriert wird, keine “honigsüßen” Versprechungen abgegeben, sondern vielmehr auf Tatsachen beruhende Fakten. Somit konnte uns niemand “auf den Leim gehen” – im Gegenteil: Interessenten, die noch zweifelten, wurden von uns gebeten, erst zu einem späteren Zeitpunkt zu kaufen, wenn schon viele BHKWs am Netz sind und wir die entsprechenden Ergebnisse auch in der Praxis liefern können. Weiter heißt es in diesem Artikel:

“Statt saftiger Erlöse (30% pro Jahr) durch Minikraftwerke, die an­geblich mit wenig Rapsöl und viel Wasser laufen, gab’s aber nur ein böses Erwachen.”

Auch hier wieder Unterstellungen, die so dargestellt werden, als wären diese ein Faktum. Natürlich waren Erlöse von 30% pro Jahr machbar, nicht zuletzt bedingt durch die technische Machbarkeit, dass die BHKWs der GFE tatsächlich mit einem Rapsöl-Wasser-Gemisch von 1:3 betrieben werden konnten. Das Wort “angeblich” lässt auch hier wieder nur den Leser glauben, wir hätten dies nur vorgetäuscht. Ja, es gab dann schließlich wirklich ein böses Erwachen, jedoch nicht ausgelöst, wie es hier dem Leser suggeriert wird, durch uns bzw. durch das “angeblich” nicht vorhandene Produkt, sondern durch das Eingreifen der Staatsanwaltschaft, die mit ihrer Aktion alles vernichtete. Dies wird hier verschwiegen. Der Artikel führte dann als nächste Passage Folgendes aus:

“Nach den Berechnungen der Wirtschaftsexperten von der Nürnberger Staatsanwaltschaft war das Geschäftsmodell der GFE nichts anderes als gewerbs- und bandenmäßiger Betrug im großen Stil. Antje Gabriels-Gorsolke, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft erklärte: “Die Block­heizkraftwerke waren weder unter technischen noch unter betriebs­wirtschaftlichen Aspekten realisierbar.”"

Ich frage mich, welche Wirtschaftsexperten der Staatsanwaltschaft zugange waren, denn eine einfache Recherche im Internet hätte inner­halb von Minuten ausgesagt, dass die hier angesprochenen Berechnungen sehr wohl der Realität entsprechen. Somit erübrigt sich auch der Vorwurf eines gewerbs- und bandenmäßigen Betruges. Dass sich die Oberstaatsanwältin Gabriels-Gorsolke zu solchen, wie hier erwähnten Äusserungen hinreissen lässt, lässt auch die Vermutung zu, dass es sich hier offensichtlich um Rufschädigung, wenn nicht sogar Rufmord handelt, denn die Staatsanwaltschaft war schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt über die technische und betriebswirtschaftliche Machbarkeit dieses Geschäftsmodells informiert. Sogar das von ihr selbst in Auftrag gegebene, und nachweislich von einem Nichtfachmann ausgearbeitete, Gutachten gibt bei richtiger Interpretation die gleichen oder gar besseren Werte wieder, wie wir sie in unseren Prospekten auswiesen. Der Artikel führt im nächsten Satz Folgendes aus:

“Nach der Festnahme der GFE-Manager, von denen sechs seit Ende 2010 in U-Haft sitzen, brach das Firmengeflecht vollends zusammen.”

Auch hier wieder eine Reihe von Falschmeldungen in die Öffentlichkeit. Erstens handelt es sich bei der GFE-Group nicht um ein Firmengeflecht, sondern um eine Unternehmensgruppe, die damit die Trennung von Zuständigkeiten und Kostenstellen – so wie bei vielen großen Firmen – vollzogen hat und zweitens brach das “Firmengeflecht” nicht in sich zusammen, sondern es wurde bewusst durch die Staats­anwaltschaft vernichtet, was aufgrund der finanziellen Lage niemals notwendig gewesen wäre. Weiter heißt es in diesem Artikel:

“Ein Insolvenzverwalter wurde vom Amtsgericht eingesetzt, um zu retten, was noch zu retten ist. Bei der Suche nach Vermögenswerten stieß er auf Konten in der Schweiz und in England, ließ die luxuriösen Autos (Maserati, Ferrari, Mercedes) der Manager beschlagnahmen, wertvolle Uhren von Rolex und anderen Top-Firmen.”

 

Es ist nicht zu glauben, wie viele Falschmeldungen in einem solchen Artikel verpackt werden, nur um die Meinungsbildung der Be­völkerung und sicher der zukünftigen Zeugen der Staatsanwaltschaft negativ zu beeinflussen. In dem hier angesprochenen Satz ist es richtig, dass das Amtsgericht einen Insolvenzverwalter eingeschaltet hat, der jedoch anfangs nichts Besseres zu tun hatte, als sich ein Vorabhonorar in Höhe einer halben Million Euro zu überweisen – übrigens von den “angeblichen” Kundengeldern. Die Staatsanwaltschaft braucht einen Insolvenzverwalter, denn wie sonst hätte sie die Firmen vernichten können. Der Insolvenzverwalter musste im Übrigen nicht retten, was noch zu retten ist, denn die meisten der von den Kunden bestellten BHKWs wurden seitens der GFE bei den Zulieferfirmen bestellt und an- bzw. komplett bezahlt. Auch die Aussage, der Insolvenzverwalter wäre auf Konten in der Schweiz und in England gestossen, ist eine vorsätzliche Falschmeldung. Zum Zeitpunkt der Verhaftungsaktion am 30.11.2010 war der Kripo und auch der Staatsanwaltschaft bekannt, über welche Konten und über welche Kontostände die GFE-Group verfügte. So wussten sie sogar weit vorher über die Finanzströme der GFE-Group Bescheid und hatten schon längst Kenntnis über die Geschäfts- und Privatkonten in der Schweiz, was sich aus den Ermittlungsakten ent­nehmen lässt. Seitens der GFE-Group gab es niemals irgendein Konto in England. Anscheinend war auch ein gewisser Neid das Triebfeld für diesen Artikel, denn wie sonst verliert man sich jetzt in weltberühmte Markennamen wie Maserati, Ferrari, Mercedes, Rolex, etc. Es ist richtig, dass es Fahrzeuge gab, die den Marken Maserati und Mercedes zuzu­schreiben sind, Ferrari jedoch entstammt sicher der Phantasie des Verfassers dieses Artikels. Es wurde allerdings verschwiegen, dass die Fahrzeuge zum Betriebsvermögen gehörten und den Managern, wie diese Herrschaften hier benannt werden, zur Verfügung gestellt wurden. Wenn wertvolle Uhren verschiedener Marken vorhanden waren, so sind diese dem Privatvermögen der Geschäftsinhaber zuzuschreiben. Diese Beschlag­nahmungen fanden jedoch schon mit der Verhaftungswelle am 30.11.2010 statt und nicht wie hier angegeben, erst durch den Insolvenzverwalter. Im Übrigen sei hier auch noch betont, dass gerde diese Insolvenz­verwalter schon von Beginn an nicht über alles von der Staatsanwalt­schaft informiert wurden, was dann im Anschluss zu Fehlhandlungen dieser Insolvenzverwalter führte. So wurde ihnen beispielsweise die Liste der Eigentümer von BHKWs erst so spät überlassen, dass die einzelnen Kunden vom Insolvenzverwalter nicht über ihren Eigentums­vorbehalt informiert werden konnten. Somit wurde nachweislich fremdes Eigentum, nämlich die im Eigentum der Kunden befindlichen BHKWs zur Insolvenzmasse genommen und anderweitig verkauft. Weiter gab der Insolvenzverwalter erst nach Monaten preis, dass ca. 100 Container aus dem Hamburger Hafen gestohlen wurden. Dies war Ware, die die GFE-Group in China bestellt und bezahlt hatte. Von einer sauberen und geordneten Insolvenz Verwaltung kann hier insofern nicht die Rede sein. Aber fahren wir mit dem erschienenen Artikel fort:

“Nach AZ-Informationen konnten von den insgesamt 62 Millionen, die die GFE von ihren Kunden kassierte, nur noch rund zehn Millionen sicher­gestellt werden.”

Hier sollte man mal die Kirche im Dorf lassen, bevor man eine solche Behauptung unters Volk bringt. Zum Einen sind von den 62 Millionen Euro, die die GFE-Group vereinnahmt hat, ca. 10 bis 12 Millionen Euro als Umsatzsteuer ans Finanzamt geflossen, was hier in keiner Weise erwähnt wird. Mit den verbleibenden Geldern wurde die von den Kunden bestellte Ware, also die BHKWs bei den Zulieferern an- und komplett bezahlt, was auch die Aussage des Insolvenzverwalters bzgl. der 100 gestohlenen Container beweist. Ausserdem befanden sich auf dem Firmengelände am Tag der Vernichtung (30.11.2010) unzählige fertiggestellte BHKW-Einheiten bereits fest in Containern verbaut. Diese werden hier nicht einmal erwähnt. Weiter hatte selbst die GFE-Group ganz normale Betriebskosten. Es ist eine klare Falschmeldung, wenn hier von einer noch dagewesenen Summe von rund zehn Millionen gesprochen wird. Was will der Verfasser der Öffentlichkeit hier auf diese sehr populistische Art und Weise einsuggerieren? Der Verfasser dieses Artikels würde gut daran tun, sich vor Erscheinen eines solchen Artikels, sich selbst von der Richtigkeit seiner gewählten Worte zu überzeugen. Wenn es heute schon möglich ist, einen solchen reißerischen Artikel in die Öffentlichkeit zu bringen, ohne selbst vorher Recherchen durchzuführen, dann brauchen wir uns der Presse nicht mehr bedienen, denn somit darf man davon ausgehen, dass selbst Menschen mit einem sehr geringen Wissen zukünftig Artikel verfassen und veröffentlichen dürfen, die andere Mitmenschen an den Rand des Ruins bringen. Damit schadet die AZ – Abendzeitung Nürnberg der gesamten schreibenden Zunft. Denn, wie erwähnt, der Verfasser Herr Helmut Reister spricht hier von rund 10 Millionen Euro, die man noch sicherstellen konnte. Nachweislich und das ist selbst in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft zu finden, sind weit über 20 Millionen Euro noch auf den Konten vorhanden. Dieser Verfasser schreibt weiter:

“Ein Kunde, der sich über den Tisch gezogen fühlt, berichtet von glamourösen Firmenfeiern, bei denen Schampus der Extra-Klasse in Strömen floss und sogar Artisten auftraten.”

Redet der Verfasser jetzt wirklich nur von einem Kunden? Wo doch an diesem beschriebenen Gala-Abend mindestens 400 geladene Gäste anwesend waren. Warum fühlt sich jetzt im Nachhinein ein Kunde wohl über den Tisch gezogen? Kann es sein, dass sich jetzt der ein oder andere Kunde, nach dem Eingreifen der Staatsanwaltschaft und der negativen Bericht­erstattung, derart beeinflussen lääst, dass er sich der Meinung des Verfassers anschließt? Fakt ist jedoch, dass niemals ein einziger Kunde über den Tisch gezogen wurde – ich erläuterte dies schon. Weiter wird von glamourösen Firmenfeiern in der Mehrzahl gesprochen. Bitte, dann sollte der Verfasser, mir noch weitere Termine ,ausser dem besagten Gala-Abend, benennen. Er sollte solche nicht belegbaren Behauptungen unterlassen. Spricht etwa wieder der Neid aus ihm, wenn er von Schampus der Extra-Klasse spricht, der angeblich in Stömen floss? Es war eine gediegene Veranstaltung und kein wie man es bei dieser Berichterstattung fast glauben mag, hochwertiges Saufgelage. Ja, selbst Artisten sind bei uns aufgetreten. Ist es in der Firmenwelt nicht üblich, geladenen Gästen ein gewisses Rahmenprogramm und gut sortierte Getränkeauswahl zu bieten oder sollte das zukünftig unterbunden werden? Um den Ver­fasser etwas zu beruhigen: Wir engagierten nur Artisten aus der Fernsehserie “Deutschland sucht das Supertalent” und diese waren noch zu erschwinglichen Preisen zu haben. Ab jetzt wird der Verfasser in diesem Artikel schon fast bösartig:

“Diesen Stil pflegten die Manager den Ermittlungen zufolge auch im Privatleben. Sündhaft teure Luxusurlaube, Designerklamotten und opulente Restaurantbesuche waren nur ein Teil davon.”

Erstens haben wir diesen Stil weder im Geschäfts- noch im Privatleben gepflegt, noch habe ich, als einer der “Manager” zu irgendeiner Zeit einen “sündhaft” teuren Urlaub gebucht oder irgendwelche Designerklamotten getragen. Dasselbe gilt auch für die angeblichen opulenten Restaurantbesuche. All das was hier angesprochen wird, kann nur aus der Phantasie des Verfassers entstammen, denn ich habe meine Kleidung wie andere Menschen auch in ganz normalen Kaufhäusern er­worben und habe mich in ganz normalen Restaurants aufgehalten. Es ist eine Frechheit ohnegleichen, solche Gerüchte in die Welt zu setzen und dann noch zu behaupten, dass dies die Ermittlungen ergeben hätten. Es ist eine Schande, dass ich mich vor einem Menschen wie Ihnen nun rechtfertigen muss, um der Öffentlichkeit Ihre Vorgehensweise aufzu­zeigen. Der Artikel wurde fortgeführt mit folgenden Worten:

“Wieviel Geld an die geprellten Kunden zurückfliessen wird, ist völlig offen. Sicher ist, dass viele in die Röhre schauen und sich mit Klein­beträgen zufrieden geben müssen. Auch solche Kunden die hundert­tausende Euro investieren.”

Hier hat der Verfasser ausnahmsweise mal Recht, jedoch nicht in der von ihm gemeinten Form. Die Insolvenzverwalter, die Behörden und viele über das Vermögen der GFE-Group hergezogene, sich wie Leichenfledderer benehmende, Personengruppen haben sich bedient. Ich selbst werde dies erst zu einem späteren Zeitpunkt recherchieren können. Insofern bleibt wirklich nicht mehr viel für die Kunden. Der Insovenzverwalter sprach innerhalb von einer Gläubigerversammlung von einem voraussichtlichen Entschädigungssatz von 3%. Das Wort “geprellte Kunden” sollte hier zu Lasten der GFE-Group Verwendung finden – richtig ist vielmehr, dass all die geschädigten Kunden von der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth um ihr Geld geprellt wurden – und das erfordert eine Wiedergutmachung. Ich zitiere den letzten Absatz dieses Artikels:

“Die Staatsanwaltschaft hat 14 Verantwortliche der GFE angeklagt. Einige haben ausgepackt und Betrügereien eingeräumt, andere äußern sich nicht zu den Vorwürfen. Die Anklageschrift ist 319 Seiten stark und dick wie ein Buch. Die Staatsanwaltschaft hat zur Untermauerung ihrer Vorwürfe 1557 Zeugen und vier Sachverständige benannt. Wann das Verfahren genau startet, steht noch nicht fest.”

Ich kann nur Herrn Reister, dem Verfasser dieses Artikels, empfehlen, sich eine andere Tätigkeit zu suchen, in der er Kompetenz zeigen kann, denn hier hat er sich vollkommen disqualifiziert. Wenn er hier be­hauptet, dass einige ausgepackt hätten, dann hätte er nicht gleich im Anschluss schreiben dürfen, dass sie Betrügereien eingeräumt haben. Also, was ist jetzt Status: Haben diese Leute ausgepackt oder haben sie lediglich etwas eingeräumt? Das widerspricht sich doch. Fakt ist jedoch, dass niemals jemand den Betrugsvorwurf eingestanden hat. Wenn verängstigte Zeugen dies einräumen, so hat das nichts mit “Auspacken” zu tun, weil diese Zeugen in der Mehrzahl nicht über die technologischen und betriebswirtschaftlichen Informationen verfügten. Wenigstens und das scheint das einzig Wahre an diesem Artikel zu sein, stimmt die Seitenanzahl 319 in der Anklageschrift. Auch die Tatsache, wann dieses Verfahren beginnt, stand zum Erscheinungstag dieses Artikels, schon seit weit über acht Wochen fest: Wirklich gut recherchiert Herr Reister. Ich behalte mir eine Anzeige wegen Rufschädigung bzw. Rufmord vor. Sollten Sie die hier von Ihnen abgedruckten Zeilen über eine Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft erhalten haben, so sollte dies Sie nich von eigenen Recherchen abhalten, denn selbst eine Staats­anwaltschaft ist nicht unfehlbar.

Ein paar Zeilen über meine Ehefrau Silvia

Liebe User dieser Website,

heute möchte ich mich auf dieser Seite im Namen meiner Ehefrau

SILVIA KIRSTEN

äußern. Sie bat mich in ihrem letzten Brief an mich, einige für Sie wichtige Informationen auf diese Website zu setzen, was ich hiermit sehr gerne tue:

  1. Sie möchte sich gerne bei Herrn A. G. herzlichst bedanken. Herr G., Sie haben meiner Frau ein kleines Büchlein mit dem Titel “Das kleine Buch der Engel” über Amazon zukommen lassen. Meine Frau hat sich wahnsinnig darüber gefreut, dies brachte sie in ihrem Brief an mich zum Ausdruck.
  2. Weiter bedankt sich meine Frau bei allen Menschen, die ihr in dieser schweren Zeit geschrieben und Briefmarken, Karten etc. geschickt haben. Ein ganz großes DANKESCHÖN an alle. Ihre Briefe und Karten sind die einzigen und wirklich schönen Glücksmomente, die meine Frau in dieser U-Haft erleben darf.
  3. Ausserdem bittet meine Frau alle um Verständnis, dass sie auf all die vielen lieben und gutgemeinten Zuschriften vorerst nicht antworten kann. Sie hat derzeit massive gesundheitliche Probleme, die ihr das Schreiben unwahrscheinlich schwer machen. Selbst für einen Brief an mich, benötigt meine Frau mehrere Tage. Nur mit Schmerzen ist es ihr möglich, zu schreiben. Bitte seien Sie also nicht allzu sehr enttäuscht, wenn Sie von meiner Frau keine kurzfristige Antwort erhalten.

Sie alle würden mir und sicher auch meiner Frau einen wahnsinnig großen Dienst erweisen, wenn Sie ihr des öfteren einige motivierende Zeilen oder Karten zukommen lassen würden. Sie hat in der U-Haft definitiv sehr schwer zu kämpfen und ich bin sehr stolz, dass sie das alles durchsteht, obwohl sie gar nicht weiß, weshalb sie eigentlich inhaftiert wurde. Dieser Zustand dauert nun schon 18 Monate und leider ist noch kein Ende in Sicht. Ungeachtet dessen, dass sich weder meine Frau, noch ich etwas haben zu Schulden kommen lassen, erleidet sie nun auch noch heftige Schmerzen. Sie leidet unter Athrose (deshalb auch die Probleme mit dem Schreiben von Briefen), weiter unter sehr starken Rücken­schmerzen, die auf die “Pritschen” im Gefängnis zurückzuführen sind. Zuhause schlief meine Frau aus diesem Grund auf einer Spezialmatratze. Zu guter Letzt kam nun auch noch der komplizierte Bein­bruch dazu, der dazu führte, dass sie sich in der Haft nur noch mit Krücken fortbewegen kann. Desweiteren muss sie sich auch noch mit Pfändungen, die aufgrund dieses Falles entstanden und ungerecht­fertigt sind, herumschlagen, was dazu führt, dass sich meine Frau noch nicht einmal die notwendigsten Hygiene-Artikel kaufen kann. Ihr stehen nach den Pfändungen gerade mal 30 Euro monatlich zur Ver­fügung, und davon werden noch die Kosten für das Fernsehen abge­zogen. Derzeit hat man ihr auch noch das Fernsehgerät entzogen. Im Übrigen ist die medizinische Hilfe, die man ihr im Gefängnis angedeihen lässt, gleich NULL. Menschenverachtend hoch drei. Zum Glück wird sie aufgrund mehrerer Operationen auch von einem Arzt ausserhalb der Anstalt behandelt. Sicher können Sie jetzt verstehen, weshalb ich stolz auf meine geliebte Ehefrau bin. Sie erträgt diese psychische und körperliche Folter im Namen der Gerechtigkeit.

Vielleicht setze ich mich jetzt in die Nesseln, wenn ich eine Passage aus dem letzten Brief meiner Frau zitiere:

“… Nur mit der Krankenabteilung und vor allem mit der Ärztin, das ist alles nicht so prickelnd. Ähnlich wie bei Dir. Ich sollte am 10.04. nach Würzburg zum Gutachten (Anm.: wegen des gebrochenen Beines). Abgesehen davon, dass ich mir nicht sicher war, was das bringen sollte, und keiner mir sagen konnte, ob ein Tag, eine oder zwei Wochen in Würzburg für mich vorgesehen war, ging es mir rein körperlich extrem schlecht. Durch die lange Fehlbelastung habe ich mehr Schmerzen im Rücken, in den Armen und der Hüfte. Zu allem Unglück hatte ich mir auch noch am Ostermontag kurz vorm Hofgang wahrscheinlich einen Nerv im Rücken eingeklemmt, sodass ich kaum atmen oder mich bewegen konnte. Außer mit Rotlicht konnte mir auch nicht weitergeholfen werden.

Dienstag-Früh konnte ich mich kaum bewegen und bin (09:00 Uhr sollte Abfahrt sein) 06:30 Uhr in die Ambulanz “geschlichen”. Nach Rotlicht und einer Stunde Wartezeit sagten sie mir, dass die Ärztin käme. Ich versuchte ihr klarzumachen, dass ich nicht in der Lage wäre, 3 Stunden in so einem Transporter zu sitzen. Erstens wegen meines Beines und zweitens wegen der extremen Rückenschmerzen. Sie hat mich aber überhaupt nicht ernst genommen. Ich hatte das Gefühl, sie sei gar nicht “bei mir”. Sie sagte dann nur ganz lapidar – “Ich gebe Ihnen etwas gegen die Schmerzen für die Fahrt.” Sie gab mir eine Spritze und ging. Obwohl ich schon 08:00 Uhr in der Kammer (Anm.: zwecks Überprüfung der mitgenommenen Gegenstände) hätte sein müssen, kam ich erst 08:15 Uhr wieder in meine Zelle. Nichts gepackt, unge­waschene Haare etc. – eine Beamtin half mir dann, so gut sie konnte. Eine ganz Liebe. Ausserdem hatte die Krankenabteilung auch meine Medikamente nicht mitgegeben mit der Akte u.s.w. – Chaos pur! Es gab noch mehr Zwischenfälle, aber kurz und gut – die 2 Polizisten, die mich fahren sollten, hatten wohl angeblich den Termin verschwitzt und kamen, nachdem ich mit einer Beamtin, meine Taschen, Jacken und dem Keil für mein Bein, schon zwei mal hin und her gehumpelt war, erst 10:45 Uhr am Tor an. Ich humpelte ins Auto und legte mein Bein quer auf die Sitze. Da schaute der eine Polizist ganz schön komisch. Nachdem die Beamtin dann gesagt hatte, dass ich mich ab und zu mal hinlegen würde, wegen meiner Rückenschmerzen, wurde er “grantig”, rief seine Dienststelle an und weigerte sich, mich zu transportieren. So wackelten wir zum 3.Mal mit dem gesamten Gepäck wieder in die Kammer und alles retour. Als ich dann in meiner Zelle alles wieder ausgepackt hatte (immer noch mit großen Problemen bei jeder Bewegung), sollte ich auf die Glocke drücken. Man teilte mir mit, dass ich meine Sachen zusammenpacken solle, ich würde in die Krankenabteilung ver­legt. Ich dachte, ich spinne. Das war natürlich reine “Schikane”. Da die Ärztin mich “transportfähig” geschrieben hatte, fühlte sie sich natürlich auf “den Schlips getreten”. Man wollte mich “bestrafen” , und “Macht demonstrieren”. Erst nachdem die Beamtin aus der Kammer dann eine schriftliche Stellungnahme verfassen musste, sah man dann gnädigerweise von meiner “Bestrafung” ab. Die Beamtinnen hier auf unserem Flügel schüttelten nur mit dem Kopf. Solche Eskapaten erleben sie hier des öfteren mit der Krankenabteilung. Absolut unprofessionell! Als ich dann am Mittwoch zur Physiotherapie in die Krankenabteilung kam, “schnauzte” (wahrhaftig!) mich eine Schwester an, ich solle erstmal mitkommen und mich ins Arztzimmer setzen und warten. Kurz darauf teilte sie mir mit, (richtig hämisch – ich kam mir vor, wie ein Kind, dass eine Fensterscheibe eingeworfen hat und nun die Be­strafung erwartet), dass der Dr. A. (Anm.: der ausserhalb der Anstalt behandelnde Arzt) mich sprechen wolle. Der war aber wirklich sehr nett und angenehm am Telefon und teilte mir mit, dass man ihm gesagt hätte, ich hätte mich gegen alles verweigert. – Eine glatte Lüge! Ich hab es dann erstmal klargestellt. Selbst er war der Meinung, dass ich mit meinem Bein und den Beschwerden nicht 3 Stunden in diesem Transporter sitzen könne. …”

Soweit die Passage aus diesem Brief. Ich selbst habe hier schon ähnliches erlebt. Definitiv ist das, was man hier in Bayern medizin­ische Hilfe in Strafanstalten nennt, eine Farce oder besser gesagt, nur eine Alibi-Veranstaltung. Zu gegebener Zeit werde ich dieser Thematik mehr Aufmerksamkeit schenken und die betreffenden Ärzte und Ärztinnen beim Namen benennen. Denn letztendlich ist das, was meiner Frau und mir widerfahren ist kein Einzelfall. Tagtäglich werden in den Justizvollzugsanstalten Menschen im medinzinischen Bereich schlechter als Tiere behandelt.

Silvia, solltest Du einen Ausdruck dieser Seite erhalten: SORRY, dass ich ohne Dein Einverständnis einen Teil des Briefes zitiert habe. Dies tat ich aus dem Grund, damit auch die Öffentlichkeit über das unterrichtet ist, was hier hinter den Mauern mit Menschen wie Dir und mir passiert.

Ich gebe an dieser Stelle gerne die Anschrift meiner Frau bekannt:

Silvia Kirsten
JVA Aichach
Münchener Strasse 33
86551 Aichach

Ich danke Ihnen, dass Sie sich die Zeit genommen haben, diese Zeilen aufmerksam zu lesen.

Ihr Horst Kirsten

AUFRUF – Zum Thema “Büchersendungen”

In der letzten Zeit kam es immer wieder vor, dass mir vom Fachhandel zugestellte Päckchen mit Büchersendungen nicht ausgehändigt wurden, da diese mit dem Vermerk “Annahme verweigert” seitens der JVA Nürnberg zurück gesendet wurden – und das, obwohl ich eine gerichtliche Genehmigung habe. Dies wurde allerdings nicht im Computer der JVA gespeichert, so dass keine diesbezüglichen Sendungen angenommen wurden. Durch Zufall habe ich in der letzten Woche davon erfahren und dafür Sorge getragen, dass dies schnellstmöglich in die entsprechende Datei eingegeben wird – was nun auch geschah.

Somit ist “hoffentlich” gewährleistet, dass Sendungen an mich, jetzt angenommen und mir ausgehändigt werden.

Für alle, die seit Januar d.J. eine solche Sendung beim Fachhandel (wie beispielsweise Amazon.de) veranlasst haben – sollten prüfen, ob diese Sendung zugestellt oder zurück gesendet wurde. Denn immerhin haben Sie diese Ware bezahlt und Sie sollten aus dieser gutgemeinten Aktion keinen finanziellen Schaden erleiden.

Ihr Horst Kirsten

Nbg., den 02.06.2012
den 551. Tag unschuldig in Haft

Brief von M. & H.B. aus Rösrath vom 11.05.2012

Hallo Ihr Zwei. Ich wollte mich hier nur mal kurz melden, um Euch mitzuteilen, dass das Schmuckpapier hier angekommen ist. Vielen, vielen Dank dafür. Mein diesbezüglicher Vorrat war schon fast aufge­braucht. Jetzt darf sich Silvia wieder über schöne Briefe von mir freuen. Ich finde das ganz lieb von Euch. Leider ist hier in der JVA ein kleiner Fehler passiert, der dazu führte, dass die Sendung von Amazon wieder zurück ging. Das ist anscheinend schon öfter passiert. Ich habe das jetzt richtig gestellt, so dass Lieferungen von dort jetzt wieder angenommen werden. Diesbezüglich werde ich auch noch einen Aufruf auf dieser Website platzieren. In Erwartung Eures aus­führlichen Briefes verbleibe ich heute in tiefer freundschaftlicher Verbundenheit mit Euch.

Emails von F.W.B. mit dem Betreff “Sendung an Vater und Mutter” vom 27.04.2012 – 20:37 Uhr und mit dem Betreff “Antwort von Vater im Internet” vom 13.05.2012 – 11:24 Uhr

Mein Sohn hat mir zur Kenntnisnahme die o.a. Emails zukommen lassen. Ich finde es rührend, dass Du an meine Frau und auch an mich zwei kleine Obstpäckchen schicken ließt. Leider kamen diese nicht bei uns an und man hat sie zurück gesendet. Schade drum. Auf Deine Frage, was man uns schicken darf, kann ich nur mit wenigen Details antworten, denn man wird hier nach wie vor als Mensch zweiter Klasse behandelt und mutet uns zu, nur mit dem auszukommen, was man uns hier seitens der JVA anbietet. Fangen wir mal beim Essen an. Man kann zwar nicht sagen, dass die Kost hier unbekömmlich ist, allerdings ist sie sehr einseitig und der Speiseplan wiederholt sich hier alle drei Wochen, was dazu führt, dass wir jedes Gericht schon zig-mal verspeist haben. Natürlich sehnt man sich nach so vielen Gerichten, die einem da “draussen” als selbstverständlich galten. Obst gibt es hier schon, aber dies ist sehr dürftig. Einmal die Woche gibt es entweder einen Apfel oder eine Apfelsine. Bananen gibt es vielleicht alle zwei Monate. Aber was solls, das ist sicher nicht das Wichtigste – man bleibt wenigstens am Leben. Das Budget, dass die Küche hier für einen Häftling pro Tag hat, ist noch nicht einmal die Hälfte dessen, was eine Schachtel Zigaretten kostet. So kannst Du Dir sicher vorstellen, welch “leckere” Menüs einem hier vorgesetzt werden. Meist besteht die Kost auch aus Lebensmitteln die kurz vor dem Ablaufdatum sind, denn diese können wohl relativ günstig in großen Mengen von der JVA aufge­kauft werden. Bücher können hier in der JVA auch von den Häftlingen ausgeliehen werden. Jedoch ist dabei zu bemerken, dass der Buchbestand der JVA-Bücherei lediglich aus Spenden besteht. Von vielen bereits ausrangierte Bücher finden hier ihren Wiedereinsatz. Mit anderen Worten: Es sind durchweg alte “Schinken”, die keine Aktualität mehr haben. Selbst die schon mehrfach geänderten Gesetzbücher gibt es hier nicht in einer Neuauflage. Von Fachbüchern ganz zu schweigen. Gerade dieser Tage hat sich einer meiner Zellennachbarn ein Buch ausgeliehen. Er ist KFZ-Schlosser und hat sich für ein Buch entschieden, dass sich mit dem Reparieren von Autos beschäftigt. Es war eine Lachnummer, was ihm da geliefert wurde. Dieses Buch hat mittlerweile weitaus mehr als dreissig Jahre auf dem “Buckel” und beschreibt, wie man einen VW-Käfer repariert. Um von “draussen” Bücher zu beziehen, bedarf es einer Genehmigung des Gerichtes, die ich erhielt. Man darf mir Bücher zu­senden – aber normalerweise nur dann, wenn sie direkt vom Fachhandel zu mir geschickt werden. Bei meiner Frau entzieht sich das leider meiner Kenntnis. Ab und zu kann man einem auch ein Büchlein mit in den Brief­umschlag legen, was in den meisten Fällen auch ankommt. Anscheinend sollen wir hier alle “dumm” gehalten werden. Was Du auf alle Fälle in begrenzter Anzahl mitsenden darfst sind: Briefmarken, Aufkleber, Schmuck-Briefpapier, Glückwunschkarten (blanko) und normales Brief­papier.

F., Du wolltest wissen, ob sich Herr Michael W. aus Würzburg bei mir gemeldet hat. Ja, ich habe ihm auch schon vor geraumer Zeit geantwortet. Im Übrigen habe ich auch das Buch von Dr. Broers erhalten, wofür ich mich bei Dir besonders bedanken möchte. Es ist ein sehr aufschluss­reiches Buch, was mir total neue Einblicke in die Gedankenwelt eröffnet. Ich möchte an dieser Stelle nochmals zum Ausdruck bringen, wie sehr ich es schätze von Menschen wie Dir, mit allem Interessanten und Informativen versorgt zu werden. Du, und auch andere, die dies tun, können sich sicher gar nicht vorstellen, wie wichtig dies für jemanden ist, der hinter Gittern sitzt und sich mit der Anstalts”kost” zufrieden geben muss, obwohl er als U-Häftling als unschuldig zu gelten hat. Solche Menschen, wie alle hier auf dieser Website, sind der Silber­streif, den wir am Horizont sehen. Hoffentlich wird bald der Tag kommen, an dem wir das alles wieder gutmachen können. All diese Kontakte, und das verspreche ich hiermit, werden auch nach meinem hier unfreiwilligen Aufenthalt, weiter eine Rolle in meinem Leben spielen und sicher werde ich den ein oder anderen irgendwann auch einmal persönlich kennenlernen dürfen. Das würde mich sehr freuen. Fühle Dich von mir ganz herzlich gegrüßt – bis zum nächsten Mal.